Patron der Minis

DER GOTTESTRÄGER TARZISIUS

Die nächtliche Opferfeier in den Katakomben war zu Ende. Der greise Priester wandte sich den Gläubigen zu und sagte: „Ich habe zuverlässige Nachricht, dass viele unserer gefangenen Brüder und Schwestern morgen zum Tode geführt werden sollen. Man will sie den wilden Tieren im kaiserlichen Zirkus vorwerfen. Damit ihnen aber die Kraft zu sterben nicht fehlt, sollen sie noch einmal das heilige Brot empfangen. Da ich aber den Heiden bekannt bin, muss einer von euch es zu den Gefangenen tragen. Wer will das tun?“

Ohne zu zögern hob eine Anzahl von Christen die Hand. Während der Blick des Priesters noch prüfend über sie hinging, drängte sich ein Zwölfjähriger nach vorn: Tarzisius. „Vater, lass mich das heilige Brot tragen! Bei keinem ist es sicherer als bei mir.“

Eine Weile überlegte der Priester. Ja, der Junge hatte recht. Er legte dem Jungen eine kleine Silberkapsel, die an einer Schnur hing, um den Hals. Mit der rechten Hand umklammerte Tarzisius fest das Heiligtum. Dann verließ er die Katakomben.

Es ist schon hell, als Tarzisius durch die Straßen Roms geht. Durch das Salarische Tor betritt er das Stadtinnere. Ganz in Gedanken versunken ist Tarzisius an den neuen Bädern des Deokletian vorübergegangen und zum Platz der Kaiser eingebogen. Da fühlt er sich plötzlich am Arm gepackt. „He, Tarzisius, was ist mir dir?“ schreit ihm ein Junge zu. „Ich habe dich schon dreimal gerufen. Du träumst wohl mit offenen Augen?“ Was willst du denn von mir?“ Na, mitspielen sollst du.“ „Ich kann jetzt nicht“, erwidert Tarzisius. „Ich habe einen eiligen und wichtigen Gang zu tun.“ „So, was hast du denn?“ fragt Claudius ärgerlich. „Was hältst du da eigentlich unter deinem Rock fest? He? Darf man das vielleicht auch einmal sehen?“ „Er scheint etwas gestohlen zu haben“, ruft einer dazwischen. „Quatsch! Tarzisius stiehlt nicht!“ brummt Claudius. „Aber jetzt will ich wissen, was du da hast. Her damit!“ „Ich zeig es euch nicht!“ sagt Tarzisius. „Und nun lasst mich gehen!“

Da aber fällt die Bande brüllend über ihn her, versucht, ihm die Hand aus dem Gewand zu zerren. Verzweifelt wehrt sich der kleine Gottesträger. Wütend schlägt die Jungenhorde auf ihn ein. Sie treten ihn mit Füßen, stoßen ihn zu Boden, misshandeln ihn mit Prügeln und Stöcken. Aber Tarzisius lässt nicht los. Erwachsene kommen hinzu, forschen nach der Ursache des Streites, werden selber neugierig, was denn der Kleine da verbirgt. Vielleicht hat er doch etwas gestohlen? Jemand ruft: „Ihr Narren, wisst ihr, was der bei sich trägt? Das ist ein Christ, der seinen Gott bei sich hat.“ „Ein Christ! Ein Christ!“ schreien nun zehn, zwanzig Stimmen. Die Umstehenden wollen sehen, was er bei sich hat. Von allen Seiten prasseln Schläge auf ihn nieder, treffen ihn an Kopf, Leib und Gliedern. Er stöhnt auf vor Schmerz. Aber seine Hand lässt nicht los.

In diesem Augenblick bricht ein römischer Offizier sich Bahn durch den Pöbel. Mit wuchtigen Stößen macht er sich Platz. „Schämt ihr euch nicht, ein wehrloses Kind zu überfallen?“ donnert er sie an. „Wollt ihr Römer sein?“ „Er ist ein Christ, der sein Geheimnis bei sich trägt“, verteidigt sich einer der Umstehenden. „Was geht das euch an?“ fährt der Offizier wiederum auf. „Wer noch einmal Hand an ihn legt, der kann was erleben!“ Vor dem Zorn des Soldaten verkriecht sich der erbärmliche Mut der Unmenschen. Einer nach dem andern zieht verlegen seines Weges. Da beugt sich der Offizier zu Tarzisius nieder. „Tarzisius!“ ruft er. Er ist selbst Christ und kennt den kleinen Gottesträger aus den Zusammenkünften in den Katakomben. Da schlägt der Knabe noch einmal die Augen auf, schaut den Offizier an und haucht mühsam: „Ich habe ihn nicht übergeben!“ Behutsam trägt der Offizier den Jungen, der immer noch die silberne Kapsel in seiner Hand hält, in das Haus einer Christin. Der Offizier hat inzwischen dem Knaben die Silberkapsel aus der Hand genommen. Jetzt beugt er sich über ihn und sagt: „Hörst du mich, Tarzisius?“ Der Junge nickt nur: „Hast du noch einen Wunsch?“ fragt der Offizier weiter. Da richtet sich Tarzisius noch einmal auf. Er möchte etwas sagen und bringt doch kein Wort mehr heraus. Aber schließlich liest der Offizier von seinen Lippen die Worte: „Gib mir das heilige Brot.“ Da öffnet der Offizier die silberne Kapsel. Schwer geht das, denn die Faust des Jungen hat sie fast zusammengedrückt. Nun aber hält er das Himmelsbrot in Händen. „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus.“ „Amen!“ haucht Tarzisius. Der Offizier reicht ihm das heilige Brot. Kurz darauf nimmt die Liebe Gottes den jungen Märtyrer in die Hände. Der Offizier kniet an dem kleinen Leichnam nieder und betet „Heiliger Märtyrer Tarzisius, bitte für uns!“

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